Mikrobiom im Alter

Keiner will älter werden, aber alle alt – das Paradoxon unserer Zeit.

Es ist verrückt im wahrsten Sinne des Wortes – keiner will älter werden, doch viele wollen alt werden. Nur geht das eine nun mal nicht ohne das andere. Doch das Älter-Werden ist sehr individuell. Denn neben dem biologisch bedingten „Verfall“, der uns alle heimsucht, kennt jeder von uns Menschen, die irgendwie besser altern: gesünder, mit weniger Einschränkungen, weniger Kompromissen, einfach einfacher.
Woran es liegt, dass manche Menschen älter werden als andere, ist seit Jahren Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen.

Sind es die Gene, gibt es Orte, an denen die Menschen aufgrund ihrer Umgebung älter werden, ist es deren Lebensstil?

Lange dachte man, dass die Gene zu ca. 20-30% Einfluss auf das Lebensalter eines Menschen haben. Diese Annahme wurde inzwischen widerlegt – man geht jetzt davon aus, dass der genetische Einfluss unter 10% liegt. Auch die Theorie, das bestimmte Orte ein langes Lebensalter begünstigen, ließ sich wissenschaftlich nicht bestätigen. Also was ist es dann?


Kurzer Trommelwirbel: Unser Mikrobiom!


Dass die zahllosen Bakterien in unseren Schleimhäuten und unserem Mikrobiom eine große Rolle für unser Immunsystem und damit unsere Gesunderhaltung haben, ist unbestritten.
Also warum sollten sie nicht auch beim Alterungsprozess eine entscheidende Rolle spielen?
Inzwischen wurde in zahlreichen Studien festgestellt, dass und auch wie sich unser Mikrobiom im Laufe der Jahre verändert.
In jungen Jahren dominieren die sogenannten Firmicutes-Arten wie Laktobazillen. Mit zunehmendem Alter nehmen diese jedoch ab und Zahl der Bacteroidetes steigt. Gleichzeitig nimmt die Vielfalt insgesamt ab und die Mikrobiome entwickeln sich deutlich individueller.
Aktuell wird davon ausgegangen, dass sich die Veränderung des Mikrobioms durch die geänderte Bakterien-Zusammensetzung negativ auf das Altern auswirkt. Das führt im Umkehrschluss zu der Annahme, dass die richtige Bakterienzusammensetzung ein gesundes Altern begünstigt.
Die Ursachen für die Veränderungen im alternden Mikrobiom sind vielfältig. Eine wesentliche Rolle spielt hierbei das sogenannte „Inflamm-Aging“. Durch die altersbedingte Zunahme an pro-inflammatorischen Zytokinen entstehen im Körper entzündliche Prozesse, die zum einen Einfluss auf die Bakterienzusammensetzung im Mikrobiom und zum anderen auf die
Entstehung altersbedingter Erkrankungen haben. Sie fördern die Dysbiose, also das Ungleichgewicht im Mikrobiom und so entsteht ein Kreislauf zuungunsten unseres Wohlbefindens.
In einer japanischen Studie wurde das Mikrobiom von 9.000 Menschen im Alter zwischen 18 und 101 Jahren verglichen. Dabei wurde deutlich, dass bei gesunden Menschen über 77 die Zahl seltener Bakterien zugunsten in jüngeren Jahren häufiger auftretender Bakterien zunahm. Diese Verschiebung hatte zur Folge, dass mehr entzündungshemmende Stoffwechselprodukte entstanden, die dem oben beschriebene Inflamm-Aging entgegenwirkten.
Eine andere ebenfalls japanische Studie kam zu einem ähnlichen Ergebnis. Hierfür wurden Stuhlproben von Japanern unterschiedlichen Geschlechts und Alters analysiert. Das Ergebnis: Im Darm der Hundertjährigen waren einige Bakterienarten deutlich häufiger zu finden als bei den Jüngeren. Diese Bakterien sind an der Bildung sekundärer Gallensäuren im Darm beteiligt. Laut den Forschern sind diese Säuren wichtig für unterschiedliche biologische Abläufe, wie etwa beim Stoffwechsel und der Immunabwehr.
Aber wie kommt es zu dieser unterschiedlichen Zusammensetzung?
Fest steht, neben dem erwähnten Inflamm-Aging führt auch eine Mangelernährung zu einem Ungleichgewicht. Vor allem im Alter wird daher einer ausreichenden Versorgung mit Ballaststoffen und Eiweiß eine hohe Bedeutung beigemessen. Gerade die Zufuhr der richtigen Ballaststoffe, wie Haferlocken, Kartoffeln und auch pflanzlichen Ballaststoffen kann die Diversität wieder fördern. Sie nähren wichtige schützende Bakterien und verringern damit die Entzündungsneigung im Körper.
Und wie kann es anders sein - natürlich spielt auch Bewegung eine große Rolle! Denn auch diese wirkt gegen die entzündlichen Prozesse im Körper. Das liegt vor allem daran, dass durch Bewegung Fettgewebe reduziert wird, welches die pro-inflammatorischen Zytokine produziert. Zusätzlich reduziert regelmäßiges Training die Entstehung von oxidativem Stress, welcher sich negativ auf die Bakterienvielfalt im Mikrobiom auswirkt.
Auch der Einfluss der Probiotika in Form von Laktobazillen und Bifidobakterien ist immer wieder Gegenstand der Forschung. Diese beiden Bakterienarten stehen im Verdacht, eine Verbesserung bei entzündlichen Zuständen herbei zu führen Zusätzlich wirken diese Bakterien Infektionen aktiv entgegen und leisten einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Darmbarriere.

Halten wir fest :
1.) Wir alle werden älter.
2.) Wer gut altern möchte, sollte sich bewegen.
3.) Wer gut altern möchte, sollte auf eine ballaststoff- und eiweißreiche Ernährung achten.
4.) Wer gut altern möchte, sollte sich um ein gesundes Mikrobiom bemühen und auf eine ausreichende Zahl an Laktobazillen und Bifidobakterien achten (finden sich u.a. in unseren within-Helferlein)
5.) Wer gut altern möchte, sollte sich einmal täglich vor den Spiegel stellen, sich selbst umarmen und liebevoll anlächeln...

Wir freuen uns darauf, mit Euch noch älter, noch weiser und noch schöner zu werden!

Euer within-Team


1: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-282018/alterungsprozess-im-darm/
2: https://www.nature.com/articles/s42255-021-00348-0
3: Makki K, Deehan EC, Walter J et al., The Impact of Dietary Fiber on Gut Microbiota in Host Health and Disease. Cell Host Microbe. 2018 Jun 13; 23(6):705–715
4: Woods JA, Wilund KR, Martin SA et al., Exercise, Inflammation and Aging. Aging Dis. 2012 Feb; 3(1):130–140
5: Landete JM, Gaya P, Rodriguez E et al., Probiotic Bacteria for Healthier Aging: Immunomodulation and Metabolism of Phytoestrogens. Biomed Res Int. 2017; 2017: 5939818