Alzheimer und Mikrobiom

Verliert Alzheimer seinen Schrecken?
Neueste Studien lassen hoffen…

Je älter wir werden, desto mehr rücken altersbedingte Krankheiten in unser Blickfeld – neben dem ein oder anderen Zipperlein, Alters-Diabetes oder nachlassender Leistungsfähigkeit, steht vor allem die Angst vor Demenz oder Alzheimer im Raum. Bei allein 1,6 Millionen Alzheimer-Patienten allein in Deutschland, kennt fast jeder eine betroffene Person und erlebt mit Schrecken und Bedauern wie aus wachen, aktiven und selbstbestimmten Menschen schwache Menschen in ewiger Abhängigkeit werden, meist nur noch ein Schatten ihrer selbst. Eine große Belastung für die Patienten, deren Angehörige und natürlich nicht zuletzt das Gesundheitssystem.

Was genau passiert bei Alzheimer?                 

Es beginnt mit den Synapsen. Synapsen verbinden Nervenzellen und sind somit eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Informationen im Gehirn richtig verarbeitet werden. Im Frühstadium von Alzheimer werden Synapsen abgebaut und damit die Kommunikation erschwert. Doch je weiter die Krankheit fortschreitet, desto intensiver wird abgebaut – erst „nur“ die Synapsen, also die Verbindungsstücke, später ganze Nervenzellen. Und diese Nervenzellen im Gehirn sind leider nicht regenerativ – sprich der Körper produziert sie nicht nach. Bei der Alzheimer-Krankheit sind besonders die Nervenzellen in den Gehirngebieten betroffen, die für das Gedächtnis zuständig sind. Und deren vermehrter Abbau führt zu den bekannten Erscheinungen - erst vergisst man nur den Namen des Nachbarn und irgendwann seinen eigenen.

Noch ist nicht final geklärt, was diese Veränderungen auslöst. Man weiß bisher nur, dass es im Gehirn von Alzheimer-Patienten ganz bestimmte Eiweiß-Ablagerungen gibt, die für das Krankheitsbild charakteristisch sind. Man nennt diese Ablagerungen Beta-Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen.  Eigentlich sind diese Eiweiße normale Bestandteile des Gehirns und auch bei Nicht-Erkrankten zu finden. Bei Alzheimer-Patienten sind diese jedoch pathologisch verändert und können damit vom Körper nicht mehr wie gewohnt abgebaut werden. Sprich die Ablagerungen nehmen zu und legen sich zwischen die Nervenzellen und Synapsen und zerstören diese so im Laufe der Zeit.  Was genau zur Veränderung dieser eigentlich harmlosen Eiweiß-Bestandteile führt, ist bislang nicht bekannt. 

Die Forschung nach Medikamenten und wirkungsvollen Therapien gestaltet sich teuer und schwierig. Doch Anfang des Jahres kam eine neue Studie zu sensationellen Ergebnissen, die zumindest hoffen lassen und neue Therapie-Ansätze zulassen.

Das Team um Prof. Dr. Christoph Laske der Sektion für Demenzforschung an der Uniklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Tübingen und um Prof. Dr. Matthias Willmann vom Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene Tübingen sowie Eurofins Germany konnte anhand einer Studie feststellen, dass das Mikrobiom von Alzheimer-Patienten eine ganz bestimmte Signatur aufweist.

Im Rahmen der sogenannten AlzBiom-Studie wurde das Mikrobiom von jeweils 100 älteren Menschen ohne Gedächtnisbeeinträchtigung, 100 Personen mit leichten Gedächtnisbeeinträchtigungen und 100 Personen mit gesicherter leichtgradiger Alzheimer-Demenz untersucht.
Das Ergebnis: Das Mikrobiom der an Alzheimer erkrankten Probanden unterschied sich vom Mikrobiom der gesunden Studienteilnehmer sowohl hinsichtlich der bakteriellen Zusammensetzung als auch hinsichtlich wichtiger Stoffwechselprozesse deutlich. Allein anhand der Analyse des Mikrobioms konnten die Erkrankten von den gesunden Teilnehmern unterschieden werden.

„Wir haben eine Alzheimer-Signatur im Darm-Mikrobiom identifiziert, die zur Unterscheidung von Amyloid-positiven Alzheimer-Patienten von gesunden Kontrollpersonen verwendet werden kann“, beschreibt Studienleiter Prof. Laske. „Die Untersuchungsergebnisse sprechen dafür, dass eine Beeinflussung des Darm-Mikrobioms ein neuer, innovativer Ansatz zur Behandlung der Alzheimer-Erkrankung darstellen könnte. Die Wirksamkeit eines solchen Behandlungsansatzes muss in zukünftigen Studien noch untersucht werden.“ Aktuell wertet die Forschungsgruppe die Studiendaten der Untersuchung über vier Jahre aus.1

Vereinfacht ausgedrückt heißt das, dass es Hoffnung gibt, auch mittels des Mikrobioms Einfluss auf Ausbruch und Verlauf eine Alzheimer-Erkrankung nehmen zu können. Ob und in welchem Rahmen muss durch weitere Studien belegt und genauer untersucht werden – aber allein diesen Unterschied zwischen dem Mikrobiom Betroffener und dem Mikrobiom Gesunder belegen zu können, macht Hoffnung und zeigt einmal mehr, wie wichtig ein ausgewogenes und vielfältig besiedeltes Mikrobiom für unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit bis ins hohe Alter ist. Sollte sich herausstellen, dass wir mittels unseres Mikrobioms massiv Einfluss auf eine so tragische Krankheit wie Alzheimer nehmen können, ist das ein Segen für alle Betroffenen und deren Angehörigen! Fest steht schon jetzt, dass ein ausgewogenes Mikrobiom für unser gesamtes Wohlbefinden und unsere psychische und physische Stabilität und Leistungsfähigkeit unerlässlich ist. Allein dass sollte Grund genug sein, es zu hegen und pflegen.

Also wartet nicht zu lang und fangt am besten direkt damit an, Eurem Mikrobiom und damit Euch und auch Euren Liebsten Gutes zu tun.

Wir freuen uns darauf, mit Euch gesund, schön & weise alt zu werden

Euer within-Team

 

1. https://www.medizin.uni-tuebingen.de/de/das-klinikum/pressemeldungen